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Die Nacht war für einige von uns sehr kurz, Carsten, Rene und Frank haben eine satte Nachtschicht an ihrem Arbeitsplatz auf dem Gelände eingelegt und dementsprechend wenig bis gar keinen Schlaf abbekommen.

Als der Rest der Crew morgens um 10.30 Uhr auf dem Gelände ankommt, ist im Wikinger Camp auf dem Campingareal ein echter Wikingerkampf in Rüstung, mit Schwert und Schild im Gange. Ob das schon einen Vorgeschmack zeigen sollte, was jeden erwarten würde? Wie sich am Ende des Tages bzw. während der Amon Amarth Show herausstellen wird, war dies eine Generalprobe für den Wikingerauftritt.

Zum Startschuss des ersten vollständigen Festivaltags des WACKEN OPEN AIRS 2006 gehen gleich drei Bands gleichzeitig auf die unterschiedlichen Bühnen. Während sich MONSTER JOE auf der W.E.T. Stage mit ihrem Blues Rock viel Mühe geben, beschwören MYSTIC CIRCLE auf der Black Stage die bösen Mächte und END OF GREEN unterstützen sie mit ihrem Düsterrock bei diesem Vorhaben.

Bei strahlendem Sonnenschein sehnt sich so mancher Metalfan eine Abkühlung herbei, die es mit den Finnen WINTERSUN aber nicht wirklich gibt. Die Stimmung ist bereits am High Noon auf einem hohen Niveau.
Das kann man vom Niveau der finnischen Metal Battle-Teilnehmer REPULSE leider nicht wirklich sagen, denn die Jungs und die beiden Mädels an Gesang und Keyboard bieten einen der schwächeren Auftritte.

Die gute Laune der Metalheads nutzen daran anschließend die beiden holländischen Bands LEGIONS OF THE DAMNED und BORN FROM PAIN für ihre Zwecke. Zwei weitere Metal Battle-Gewinnerbands stehen mit den Franzosen WÜRM und den Italienern CADAVERIC CREMATORIUM auf den Brettern der W.E.T. Stage.

DANKO JONES sorgt wieder wie gewohnt für markige Sprüche und harte Rock-Songs. Dem Charme und vor allem der musikalischen Klasse des Kanadiers kann man sich allerdings auch nicht entziehen. DANKO rockt das Haus! Oder das Festival.

Auf der W.E.T. Stage rockt sich auch der Scorpions-Drummer mit seiner neuen Band KOTTAK vor leider viel zu wenigen Rockfreaks die Seele aus dem Leib. Trotzdem legt er mit seiner Truppe eine Show hin, als ob er und seine Musiker (speziell die Drummerin – übrigens die Schwester von Mr. Mötleydrummer Tommy Lee - ist eine Augenweide!) vor mehreren Tausend Leuten stehen würden.

Sind EKTOMORF die neuen, besseren oder anderen Soulfly? Darüber wurde schon vor dem Auftritt der Ungarn diskutiert, ohne Ergebnis. Ebenfalls außer Frage steht, dass die Jungs mit ihrem groovigen Nu Metal wieder zahlreiche Fans zum Kalorienabbau durch Hüpfen brachten.

Im Anschluss an Kottak hat Chris Barnes mit seinen SIX FEET UNDER-Musikerkollegen keine Mühen, eine riesige Menschenmasse zu bewegen. Bis zum Soundturm bangen die Death Metal-Fans sowohl zu eigenen S.F.U.Songs als auch zum abschließenden AC/DC-Cover von ‚TNT’.

NIKKI PUPPET spielen auf der W.E.T. Stage auf, während NEVERMORE anschließend wie gewohnt die Metalmatten wild kreisen lassen. Einige hundert Meter entfernt im Metal Markt stellt der Redakteur Andreas Schöwe vom Hammer sein demnächst erscheinendes Buch vor.

Bereits im vergangenen Jahr durften GORILLA MONSOON in Wacken spielen und haben die Chance bereits damals genutzt. Auch heuer dürfen sie am Freitagnachmittag ihren kraftvollen Sound in die Runde pusten.

Die Schweden OPETH sind zwar mit ihren verschachtelten und komplexen Songs nicht gerade eine echte Festivalband, aber dennoch werden ihre Songs von den Fans lautstark beklatscht.

SOILWORK sind SOILWORK sind SOILWORK. Soll heißen, von den Schweden gibt’s keine schwachen Shows, sondern das volle Brett, das jeder erwartet. Allerdings wiederholen sich manche Elemente, was aber nicht heißt, dass SOILWORK schwach gewesen wären.

FLESHGORE stammen aus Kiew in der Ukraine und zeigen, dass man auch jenseits des früheren Eisernen Vorhangs weiß, wie technischer Death Metal mit vielen Breaks und Blastbeat-Einlagen funktioniert. Das scheint auf einige angetrunkene Fans sehr viel Wirkung und Stimmung zu machen, denn zuerst versuchen sie, sich gegenseitig zum Crowdsurfen hochzuheben, was angesichts der Promillewerte nicht klappt. Dann kommt der Vergleich einiger typisch männlicher Körperteile (die wir hier aber aus Gründen des Jugendschutzes nicht nennen…), bevor ein ganz eifriger Knabe aus der Truppe sein Gerstensaftabfallprodukt in den Becher fließen lässt und seinem offensichtlich noch betrunkeneren Kumpel anbietet. Der hat allerdings leichte Koordinationsprobleme und lässt den Becher schlicht und ergreifend fallen. Puh…

Beim Auftritt der Mittelalterrocker IN EXTREMO finden sich gefühlsmäßig die meisten Leute vor der True Stage ein. Mit einem coolen Bühnenaufbau in Form eines Schiffes können die Deutschen Rocker ihre Fans voll zufrieden stellen.

VREID sind eine urwüchsige norwegische Black Metal-Band und stellen das auf der W.E.T. Stage eindruckvoll unter Beweis. Auch wenn es nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre, so sinkt die Temperatur beim Auftritt der Norweger auf dem ganzen Gelände abrupt um einige Grade.

Kaum zu glauben, aber wahr. Die vor vielen Jahren oberumstrittene Truppe CARNIVORE um den charismatischen Bassisten und Sänger Peter Steele ist zurück. Es hätte wohl niemand geglaubt, jemals Nummern wie ‚Carnivore’, ‚Male Supremacy’, oder (ähm) ‚Race War’ live und on Stage vor die Lauscher gepfeffert zu bekommen. Das WACKEN OPEN AIR macht es möglich!
Die Finnen KORPIKLAANI zelebrieren eine interessante Mischung aus Metal- und Folkloreelementen, wie wir es von Finntroll und Turisas bereits gewohnt sind.

KRYPTERIA glänzen mit der wohl attraktivsten Sängerin des Festivals. Die hübsche Ji-In ist aber nicht nur wundervoll anzusehen, sondern verzaubert die Zuschauer auf der W.E.T. Stage mit ihrer ausgebildeten Sopran-Stimme. Aber auch die melodischen und epischen Nummern der Band nehmen die Fans gefangen. Im Anschluss an den Gig geben die Sängerin und ihr Kollege an der Gitarre noch ein spontanes Interview.

Schon eine Stunde vor Showbeginn drängen sich die Freaks vor der True Stage, um ihre Heroes CHILDREN OF BODOM aus nächster Nähe zu erleben. Der Sound der Finnen wirkt etwas drucklos, aber dennoch feiern die Fans ihre Helden.

Auf der W.E.T. Stage rockt der schöne Alex mit seinen DESPERADOZ vor einem gut gefüllten Zelt. Die Mischung aus Metal- und Westernelementen scheint erst jetzt nach dem Grand Prix so richtig zu zünden.

CELTIC FROST kommen dank der herrschenden Dunkelheit intensiver und im wahrsten Sinne des Wortes finsterer als in Schweden oder Finnland zur Geltung, als es bei den Gigs noch mehr oder weniger hell war. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks zerlegen die Musiker die Black Stage.

Aus dem Fernen Osten bieten D’ESPAIRS RAY auf der Party Stage eine Palette an düsteren Sounds, gepaart mit harten Metalklängen.

Die Senkrechtstarter HELLFUELED aus Schweden mit ihrem an Ozzy Osbourne erinnernden Sänger Andy Alkmann bieten coolen Old School Rock, der einfach nur gute Laune macht.

METAL INQUISITOR aus dem schönen Städtchen Koblenz räumen kurz nach Mitternacht gut ab und thrashen die W.E.T. Stage in Grund und Boden, auch wenn der Sound von Ministry verdammt penetrant von der True Metal Stage herüberweht, lässt sich hier niemand von der Old School Metal-Party abhalten.

Al Jourgensen verschwindet mit seinen MINISTRY Herren fast gänzlich im Nebel und Schummerlicht. Nach einer sehr langen Durststrecke wird es endlich wieder einmal Zeit für einen Besuch von Al Jourgensen in Good Old Germany.

Im Zelt auf der W.E.T. Stage dürfen BATTLELORE ran, um ihre folkige Musik mit dem heute leider etwas schiefen Gesang den Wacken Besuchern vorzustellen.

Trotz der späten, oder vielmehr frühen Startzeit um 2 Uhr morgens machen PRIMAL FEAR beste Miene zum Spiel und verlangen den Bangern – parallel zu Amon Amarth übrigens!! – in den kühl und feucht werdenden Stunden die letzten Kraftreserven ab. Mächtiger Power Metal, der noch im einige Kilometer entfernten Besdorf die Tassen im Regal erzittern lässt.


Die Schweden AMON AMARTH beenden mit einer superben Liveshow, Feuer- und Pyroeffekten, einem Wikingerkampf auf der Bühne sowie dem gewohnt beeindruckenden Frontmann Johan Hegg den Festivalfreitag. Wenig Stunden später geht es schon weiter.

Text: Oliver Vollmer und Tom Klaner
Foto: Matthias 'mattness' Bauer
www.brighteyes.de


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