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Bio Ja, es gibt sie noch, echte Ausnahmen. In einer Metalszene voll von Traditionalisten und Trendreitern gehen Opeth seit 15 Jahren unbeirrt ihren eigenen, ganz besonderen Weg, fernab jeglicher „Heavy Metal Laws“ und Modeströmungen. Seit ihrem fulminanten Debüt „Orchid“, das schon damals Komplexität mit Kreativität und Atmosphäre verband, hat es diese Gruppe mit jedem weiteren Album geschafft, epische und kunstvolle Musik neu zu definieren. Ihr sieben Alben zählender Back-Katalog ist eine Perlenkette an beeindruckenden Offenbarungen, die das vereinigen, was bis zur Bandgründung in der Metalszene wohl wenige für vereinbar hielten. Im Kontext des Death Metals entwarfen Opeth mit den wundervollsten Elementen aus Gothic, Seventies- und Prog-Rock, Folk, Jazz und Klassik einen Klangkosmos, der seit jeher das höchste der Gefühle in der Metalwelt darstellt.
Es schien beinahe, als hätte das Quintett schon mit seinem „Deliverance“/“Damnation“ Doppelschlag – ersteres packend hart, der Nachfolger melancholisch-balladesk – die Grenzen ausgelotet. Doch mit „Ghost Reveries“ hat es die Band tatsächlich geschafft, ihr zweifellos bis dato perfektestes Album vorzulegen. “Wir wollen, dass jedes Album anders klingt als das vorherige, deshalb haben wir diesmal nach neuen Möglichkeiten gesucht“, so Åkerfeldt. „Es ist lächerlich, uns in eine bestimmte Schublade stecken zu wollen. Wir haben einen eigenen Sound kreiert, der es uns inzwischen erlaubt, zu tun und zu lassen was wir wollen. Die Fans, die ich haben will, interessieren sich für gute Musik, es ist egal, aus welcher Szene sie kommen.“ Die Melange aus Stil und Substanz macht „Ghost Reveries“ zu einer neuen musikalischen Erfahrung, die die beispiellose Klasse Opeths in Sachen Songwriting, Stimmungsaufbau, Detailarbeit und technischer Finesse aufzeigt. „Ghost Of Perdition“ startet mit einer eruptiven Rhythmusfigur, beißenden, schrägen Gitarrenriffs und zerstörerischen Growls bevor der Song in eine Tribal-Passage driftet, die mit cineastischen Keyboard-Teppichen und träumerischen Gesangsharmonien begeistert. Von da an kennt der 11-Minüter zwischen elegischen Akustik-Breaks und dunklen Stakkato-Attacken, zwischen Himmel und Hölle, Licht und Schatten, Wut und Melancholie kein Halten mehr. Auch “Beneath The Mire” offeriert ein Feuerwerk an Ideen: große Gefühle, brutale Riffs, sphärische Gitarren, rockiges Orgelspiel, treibende Beats, zartes Piano, verzaubernde Solos und Vocals, die von biestig bis wunderschön reichen. „Ich wollte bei den Arrangements nichts unversucht lassen und habe deshalb explizit auf alle Details geachtet. Alles sollte Sinn ergeben, jeder Part, jede Sekunde eine Bedeutung haben. Auch wenn es nur darum geht zum nächsten Part zu führen. Niemand soll das Gefühl bekommen, irgendetwas hätte man kürzen können, es hat alles eine Funktion.“ Eine Erweiterung des Opeth-Sounds machen die neuen Psychedelic- und Space-Rock-Elemente aus. Grund: Åkerfeldts musikalische Vorlieben lagen in letzter Zeit bei englischer, deutscher und skandinavischer Musik der 60er und 70er Jahre wie Amon Duul II und Can, die ihn zu einer noch dunkleren Ausrichtung inspiriert haben. Logisch, dass Keyboarder Per Wiberg (ex-Spiritual-Beggars) mit seinen gloomigen Sounds der perfekte Mann für Åkerfeldts Visionen war. Wiberg, der ursprünglich nur für die letzte Tour angeheuert wurde, darf auf „Ghost Reveries“ nun als full-time Member vorgestellt werden. „Er spielt Keyboard auf seine eigene Art, er hat eine tolle Stimme, er kann Gitarre spielen und er komponiert selber Musik; ich bin glücklich ihn dabeizuhaben“, so Akerfeldt stolz. Während der Entstehungsphase von „Ghost Reveries“ bekamen Åkerfeldt und seine Frau ihr erstes Kind, was die Inspiration und Gestaltungskraft des Frontmanns noch erhöhte. „Manche Leute sagen, dass einige Parts sehr hoffnungsvoll und Kraft spendend klingen. Vielleicht liegt das daran, dass ich Vater geworden bin. Dieser Moment hat mich im Innersten stark erfüllt, und die Liebe zu diesem Kind ist mit keiner anderen zu vergleichen. Ich glaube ich war sehr egoistisch – bis zu der Geburt meiner Tochter.“ Neu ist auch der neu gewonnene Teamspirit: „Bei unseren vorherigen Alben, wussten die anderen bis zu den Studioaufnahmen nicht mal wie das Album, geschweige denn die Songs überhaupt klingen würden. Diesmal wollte ich, dass sich alle am Prozess beteiligen. Deshalb haben wir ganz traditionell geprobt und jeder durfte sagen, was er gut oder schlecht fand. Ich denke, die Geschlossenheit hört man dem Album an“, gibt sich Åkerfeldt zufrieden. Im März 2005 betraten Opeth die Fascination Street Studios in Orebro, Schweden. Anstatt ein weiteres Mal mit Porcupine-Tree-Genius Steve Wilson, der die letzten drei Opeth-Alben produziert hat, zu arbeiten, entschied sich Akerfeldt dafür, selbst Hand anzulegen und den Mix Jens Borgen zu überlassen. „Ich liebe Porcupine Tree und ich habe in der Zeit mit Steven unglaublich viel gelernt. Aber niemand weiß besser wie diese Band zu klingen hat als ich“, so Åkerfeldt. „Ghost Reveries“ raubt einem nicht nur den Verstand, es ist der Sound von Ausnahmekünstlern, die Klangwelten erschaffen, die keine andere Kapelle je erreichen wird. „Es gibt keine andere Band wie uns auf diesem Planeten“, behauptet Åkerfeldt zu Recht. „Wir lieben Death Metal, man kann sogar Morbid Angel heraushören. Aber da gibt es auch die Einflüsse von Pink Floyd und King Crimson sowie Leonard Cohen und Nick Drake. Wir lieben es, die Leute zu überraschen.“ Exakt, „Ghost Reveries“ ist ein furioses Abenteuer. Jeder Musikliebhaber, egal welchen Ursprungs, wird nach jedem Break etwas Neues für sich entdecken. Metal von und für Visionäre. Lineup: Mikael Åkerfeldt Fredrik Åkesson Martin Mendez Per Wiberg Martin Axenrot Discography
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