Das sind doch locker 100 Trommler. Oder? Jetzt echt. Da fliegen Stöcke und Späne. Naja, vielleicht waren es auch ein paar Schlagwerker weniger, aber dass Sepultura die Les Tambours De Bronx mitgebracht haben, sorgt für ordentlich BUMM. Auf der Bühne steht über ein Dutzend bemalter Eisenfässer, auf die oberkörperfreie Tätowierte eindreschen. Den ohnehin rhythmischen Sound der Brasilianer vermag das sehr zu unterstützen. Auf der Setlist stehen vor allem neue Nummern, aber auch die Klassiker ‘Refuse/Resist’, ‘Rattamahatta’ und ‘Roots’ zum Abschluss. Der geilste Gig in der Karriere der Band wird das nicht gewesen sein, macht den Leuten aber nix, denn viele hier warten seit Tagen auf eine ordentliche Portion Live-Metal. Weswegen einiges geht, lustigerweise auch beim Prodigy-Cover ‘Firestarter’.
U.D.O. bietet heute ebenso einige Extras, wie wir im WOA_Backstage Twitter-Kanal schon vermelden konnten: Ein Haufen alter Weggefährten spielt mit, darunter die beiden Gitarristen Andy Susemiehl und Mathias Dieth (heute erfolgreicher Medienanwalt). Die nimmermüde Doro lässt es sich auch nicht nehmen, nach ihrem Kurzauftritt mit Skyline bei ‘Dancing With An Angel’ ein Duett mit Onkel Dirkschneider einzulegen. Zum Ende hin dann noch ‘Balls To The Wall’ mit ordentlich Mitsingpart, und fertig ist die Laube. Guter Festivalstoff.
Bei Saxon kommt dann noch mehr die richtige Open Air-Stimmung auf. Paar Bierchen, man ist eingegroovt und vielleicht auch nicht mehr müde vom Hauptbühnen-PA-Test morgens um acht (und endlaut!), das Wetter hält sich, so läuft das gut an. Die NWoBHM-Veteranen bieten dafür die richtige Beschallung, klassischen Stoff eben, zum Kopfnicken und Drinks haben. Dabei legt die Band eine überraschende Spielfreude an den Tag, oder kurz gesagt: Das macht einfach Spaß. Biff Byford ist bestens aufgelegt und erklärt: „Wenn wir uns irgendwann zur Ruhe setzen, wird unsere letzte Show in Wacken sein! Nämlich 2045!“. Die Setlist kann sich sehen lassen, von ‘Motorcycle Man’ über ‘Never Surrender’ und ‘Rock The Nations’ bis ‘Crusader’ - wir würden mal sagen: Läuft. Währenddessen geht auch noch schön die Sonne unter: Wacken kann ja soooo romantisch sein.
Doch ist ganz klar, wer heute hier die Hosen anhat: Volbeat spielen auf dem Wacken ihre einzige (!) Europashow 2012, und die Meute hat gewartet. Das sieht man unter anderem auch daran, dass die Herren vor der Show eine Platinauszeichnung überreicht bekommen für 250.000 verkaufte Einheiten in Deutschland, ihrem stärksten Markt. Das Interessante daran: Im letzten halben Jahr hat die Band drei Touren in den USA absolviert, aber hierzulande ohne Single, Video etc. sechsstellig Platten abgesetzt. Irgendwas funktioniert da ziemlich gut... Da der Gig heute abend der letzte vor einer mindestens halbjährigen Pause zum Songwriting und Albummachen sein soll, wollen Volbeat nochmal richtig reinhauen. Dazu haben sie alle Gäste des Albums geladen: Mille von Kreator und Michael Denner von Mercyful Fate spielen bei ‘7 Shots’, Barney Geröllheimer von Napalm Death zerbrüllt charmant die gute ‘Evelyn’, und ein haartollenbestückter Kollege spielt zwischendurch einen dicken Kontrabass bei ’16 Dollars’. Die Band genießt die exklusive Show hier, selbst wenn mancher Fan sie später „routiniert“ nennen mag. Lustigerweise gibt‘s bei Volbeat mittlerweile sogar ziemlich amtliche Gitarrensoli, denn Hank Shermann an der zweiten Gitarre (ebenfalls früher bei Mercyful Fate) bewegt sich zwar spärlich, kann aber ordentlich schreddern. Fakt ist: Die Leute drehen total durch. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Security-Kräfte in der ersten Reihe damit umgehen. Vor allem am Anfang werden die Leute im Sekundentakt rausgefischt, manchmal müssen sogar die Sanis anrücken, aber zu Katastrophen und Unfällen kommt es nicht. Die Crew behält den Überblick, die Meute draußen behält die Contenance im besten Sinne nicht, sondern geht ab wie nix Gutes: Körpergulasch, Circlepits, Gehüpfe und gewaltige Chöre. So geht „Headliner“.
Während auf dem Wacken Plaza und im Zelt anschließend noch die Party tobt, trinken wir jetzt noch ein Gute-Nacht-Bier - oder doch ‘7 Shots’? Mal gucken.
RAIN (bisher geht‘s) OR SHINE (aber bitte)!
WOA Online Force
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