Wacken Stories: Sonja Lattwesen

01.11.2018 Erstellt von Tom Küppers


In fast 30 Jahren W:O:A kommt einiges an Geschichten zusammen – ob abgefahren, herzerwärmend, hintergründig oder einfach lustig. Diese Geschichten haben wir gesammelt und dazu mit den Leuten gesprochen, die auf oder neben dem „Wacken Holy Ground“ leben, arbeiten und feiern. Ihre Erlebnisse zeigen den besonderen Geist des Festivals, deshalb viel Spaß mit besonderen Anekdoten, die es nicht überall gibt: Hier sind die „Wacken Stories“!
Sonja Lattwesen (Artist Production, Chaos-Dompteurin, Adrenalin-Junkie)
„So viel Adrenalin habe ich noch nie erlebt“

Seit fast anderthalb Jahrzehnten gehört Sonja Lattwesen zur Artist Production, der Schaltstelle für alles, was mit den Bands und ihren Auftritten zu tun hat. Für die Wacken Stories erinnert sie sich an den intensivsten Arbeitstag ihrer W:O:A-Karriere. Auch Arch Enemy dürften heute noch daran denken.

„Bei meinem ersten W:O:A 1998 habe ich noch als Reporter vom Campingplatz berichtet. Wacken ist sehr speziell. Wie quasi aus dem Nichts für ein paar Tage eine Kleinstadt entsteht oder wie die Leute gegenseitig auf sich aufpassen – das ist schon der Wahnsinn. Ich weiß von anderen Festivals, die immer wieder Probleme mit örtlichen Kirchenvertretern haben. Bei uns liegt der Schlüssel zur Kirche im Produktionsbüro, weil wir die für Konzerte nutzen dürfen.

Gerne erinnere ich mich an den Auftritt von Arch Enemy 2006: So viel Adrenalin habe ich noch nie erlebt, das war der größte Energieerzeuger aller Zeiten. Die Band sollte eigentlich einen Tag vor ihrer Show anreisen, locker im Hotel ankommen und am nächsten Morgen ganz entspannt zum Festival rüberfahren. Leider haben genau zu dem Zeitpunkt etliche Fluglinien gestreikt. Band und Crew wurden dann für den nächsten Tag auf mehrere Flüge verteilt. Wir haben so viele Autos wie möglich organisiert, um die ganze Mannschaft nacheinander nach Wacken zu schaffen. Es wurde richtig eng, denn natürlich gab es Staus auf der Autobahn. Musiker und Techniker sahen von den Reisestrapazen deutlich mitgenommen aus, also haben wir alle mit angepackt. Auf einmal fiel jemandem auf, dass die Hälfte der Bandausrüstung in dem ganzen Flugchaos verloren gegangen ist. Ich bin daraufhin losgezogen, um bei unserer Backline-Crew und anderen Musikern die fehlenden Teile zu organisieren und zur Bühne zu schaffen. Da haben Michael Amott, Sharlee D’Angelo und die anderen schon ihr Zeug zusammengestöpselt. Ein paar Minuten vor der Show kommt dann endlich der Soundmann, schließt schnell die Effektgeräte aus seinem Gepäck an und rast im Schweinsgalopp durch das Infield zum Mischpult. Für einen Linecheck (kurzes Anspielen der Instrumente als reiner Funktionstest - Anm.d.A.) hatten wir keine Zeit mehr, die Band hat sich sogar auf der Bühne umgezogen. Allerdings fehlte noch Sängerin Angela Gossow! Die hatte vorher einen wichtigen Interviewtermin und sich danach hinter das Catering-Zelt verzogen, um sich in Ruhe warmsingen zu können. Aber ich habe sie dann auch noch gefunden. So konnte es mit nur fünf Minuten Verspätung losgehen. Ich weiß nicht, ob Arch Enemy während einer Show schon mal so viel Adrenalin in den Venen hatten, aber einen besseren Gig habe ich von ihnen noch nicht gesehen. Zehn Minuten nach dem Auftritt kam übrigens noch das letzte Crew-Mitglied an.“

Sonjas Wunsch für das 30. W:O:A, wenn alles möglich wäre:
„Nochmal Rammstein.“

Text: Tom Küppers

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